
KI-Anbieter zahlen Verlagen inzwischen Geld für den Zugriff auf ihre Archive. Unser Partner WoodWing argumentiert in einem aktuellen Blogbeitrag, dass der Erlös bei der KI-Lizenzierung weniger vom Inhalt als von dessen Aufbereitung abhängt. Wir ordnen ein, was Verlage an Archiv, Metadaten und Rechteinformationen jetzt prüfen sollten.
Spätestens seit den ersten Lizenzverträgen zwischen KI-Unternehmen und Medienhäusern stellt sich für viele Verlage die Frage, welchen kaufmännischen Wert ihr eigener Altbestand hat. Am 11. Oktober 2026 hat unser Partner und Technologie-Lieferant WoodWing dazu den Beitrag »Your archive is more valuable than you think – if it’s ready for AI licensing« veröffentlicht. Die Kernthese laut WoodWing: Ob ein Archiv lizenzierbar ist, sei ebenso eine Architekturfrage wie eine kaufmännische.
Wie Archiv-Deals mit KI-Firmen bisher aussehen
Dass Archive gehandelt werden, ist belegt. Im Juli 2023 lizenzierte OpenAI einen Teil des Textarchivs der Nachrichtenagentur AP, mit Zugriff auf Meldungen bis zurück ins Jahr 1985. Finanzielle Details wurden nicht genannt. Im Frühjahr 2024 folgte eine nicht exklusive Vereinbarung mit der Financial Times, die nach Berichten auch Inhalte hinter der Bezahlschranke für Training, Suche und Zusammenfassungen mit Quellenverweis umfasst.
WoodWing verweist zudem auf Vereinbarungen, die Archivzugang mit aktueller Berichterstattung kombinieren, etwa bei News Corp und Reach. Die Konditionen solcher Verträge sind in der Regel nicht öffentlich. Für Verlage heißt das: Verlässliche Preisbenchmarks fehlen, die technischen Anforderungen der Käufer lassen sich dagegen recht klar benennen.
Was macht ein Archiv reif für die KI-Lizenzierung?
WoodWing nennt, gestützt auf den Weltverlegerverband WAN-IFRA, im Wesentlichen vier Eigenschaften, die den Wert eines Archivs bestimmen:
- Strukturierte Datensätze: Eine Maschine muss Überschrift, Fließtext, Autorenzeile und Datum ebenso getrennt auslesen können wie zugehörige Bilder und spätere Korrekturen. Ein als Seiten-PDF abgelegter Beitrag erfüllt das nicht.
- Rechte-Metadaten: Ob ein Asset in ein Lizenzpaket aufgenommen werden darf, muss sich automatisch aus seinen Metadaten ergeben: wem die Rechte gehören, wie es lizenziert ist, welche Vertragsauflagen gelten und ob Dritte Ansprüche haben.
- Taxonomie und Entitäten: Einheitliche Schlagworte, Personen, Orte und Organisationen machen Bestände auffindbar und bündelbar.
- Lizenz-Nachweis: Der Verlag behält den Überblick, welche Bestände bereits in welchen Vertrag eingeflossen sind, einschließlich Abnehmer, Nutzungszweck und Konditionen.
Hinzu kommen Herkunftsnachweise nach dem C2PA-Standard sowie technische Zugriffskontrolle, damit KI-Crawler nicht kostenlos abgreifen, was eigentlich lizenziert werden soll.
Was bedeutet das konkret?
Die Anforderungen landen direkt in Redaktionssystem und DAM. Gerade ältere Bestände wurden oft als Seiten-PDF archiviert oder bei Systemwechseln ohne vollständige Metadaten migriert. Wo Bildrechte nur in Verträgen oder Tabellen stehen, kann kein Lizenzpaket automatisch zusammengestellt werden. Das größte Risiko sind Fremdinhalte: Agenturbilder, Gastbeiträge oder Fotos freier Mitarbeiter dürfen meist nicht ohne Weiteres an Dritte weitergegeben werden.
Für den Nutzungsvorbehalt gegenüber KI-Training bietet das IPTC seit Mai 2025 einen Leitfaden mit heute verfügbaren Mitteln, darunter robots.txt, die TDMRep-Angaben und ein Data-Mining-Feld in den IPTC-Bildmetadaten, das mit der Datei mitwandert. Auch das setzt voraus, dass die Rechtelage pro Asset bekannt ist.
Unsere Empfehlung
Behandeln Sie die Lizenzfähigkeit Ihres Archivs als Datenprojekt, nicht als Vertriebsprojekt:
- Bestand erheben: Welche Jahrgänge liegen strukturiert vor, welche nur als PDF oder Bild? Wo fehlen Autor, Datum oder Ressort?
- Rechte klären: Legen Sie ein verbindliches Rechtemodell im DAM fest und kennzeichnen Sie Fremdinhalte, die von Lizenzpaketen ausgeschlossen werden müssen.
- Metadaten vereinheitlichen: Gleichen Sie Schlagwortlisten und Personennamen über Systemgrenzen hinweg ab, bevor Sie Altbestände nachträglich anreichern.
- Mit verwertbaren Beständen beginnen: Starten Sie mit Inhalten, an denen Sie die Rechte vollständig halten, etwa Eigenberichterstattung eines Fachgebiets.
- Vorbehalte technisch umsetzen: Prüfen Sie, welche der IPTC-Empfehlungen Ihre Website und Ihre Bildmetadaten bereits abdecken.
So unterstützt aaroon
Als WoodWing-Integrator unterstützt aaroon Verlage dabei, Rechte und Metadaten in WoodWing Assets sauber abzubilden. Wiederkehrende Schritte wie die Anreicherung von Metadaten lassen sich mit ao.Services als Workflow automatisieren.
Ob ein Archiv tatsächlich Erlöse bringt, entscheidet am Ende der Markt; ohne strukturierte Daten und geklärte Rechte bleibt es jedoch gar nicht erst verhandelbar.
Quellen
- Your archive is more valuable than you think – if it’s ready for AI licensing, WoodWing (Magdalena Ivanova), 11.10.2026: https://www.woodwing.com/blog/archive-ready-ai-licensing
- ChatGPT creator OpenAI signs deal with AP to license news stories, PBS NewsHour / Associated Press, 13.07.2023: https://www.pbs.org/newshour/economy/chatgpt-creator-openai-signs-deal-with-ap-to-license-news-stories
- OpenAI Licenses Financial Times Archive in Fifth Deal with Major News Publishers, DeepLearning.AI, The Batch, 08.05.2024: https://www.deeplearning.ai/the-batch/openai-licenses-financial-times-archive-in-fifth-deal-with-major-news-publishers/
- IPTC publishes best-practice guidance on generative AI opt-out for publishers, IPTC, 28.05.2025: https://iptc.org/news/iptc-publishes-best-practice-guidance-on-generative-ai-opt-out-for-publishers/