
KI gehört in vielen Redaktionen zum Arbeitsalltag, das Schulungsangebot hält damit aber nicht überall Schritt. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von Correctiv und journalist. Wir ordnen ein, wie Verlage Human-in-the-loop als verbindlichen Teil des Workflows organisieren, statt die Qualität allein der Sorgfalt Einzelner zu überlassen.
Am 7. Oktober 2026 haben das Medienhaus Correctiv und das Fachmagazin journalist Ergebnisse einer Onlinebefragung veröffentlicht, an der von April bis September 2026 knapp 130 Medienschaffende teilnahmen. Rund 80 Prozent nutzen KI mindestens mehrmals pro Woche, etwa 60 Prozent empfinden sie als überwiegend entlastend. 71 Befragte haben schon an einer KI-Schulung teilgenommen, 41 geben dagegen an, dass ihre Redaktion bislang keine angeboten hat. Die Stichprobe ist klein, Angaben zur Repräsentativität enthält die Mitteilung nicht. Als Stimmungsbild ist sie dennoch aufschlussreich.
Warum Human-in-the-loop mehr als Sorgfalt ist
Human-in-the-loop bedeutet, dass ein Mensch KI-Ergebnisse prüft und freigibt, bevor sie weiterverwendet oder veröffentlicht werden. Wo feste Abläufe fehlen, geschieht das informell: Wer ein Tool nutzt, schaut eben noch einmal drüber. Wie gründlich das passiert, hängt dann von Zeitdruck, Erfahrung und Schulungsstand der einzelnen Person ab.
Das Publikum erwartet mehr. Im Ipsos AI Monitor 2026 (rund 1.000 Befragte in Deutschland, Feldzeit März/April 2026) fühlen sich laut einer Auswertung von Provimedia 59 Prozent unwohl mit Nachrichten und Artikeln, die von KI verfasst wurden. 75 Prozent finden, dass der Einsatz von KI gekennzeichnet werden sollte. Und 76 Prozent geben laut Ipsos an, die Arbeit von KI-Tools selbst zu kontrollieren. Wer Inhalte veröffentlicht, sollte diese Prüfung nicht dem Leser überlassen.
Auch in der Buchbranche ist das Thema angekommen. In der KI-Studie der IG Digital des Börsenvereins (196 Fach- und Führungskräfte aus Buchverlagen, veröffentlicht im Februar 2026) nennen 38 Prozent die Input-Output-Qualität der KI-Systeme als Herausforderung, 45 Prozent die Datenqualität. Für den Kompetenzaufbau setzen 55 Prozent auf Schulungen. Größere Verlage setzen KI laut BuchMarkt zunehmend strukturiert ein, mit Richtlinien und klaren Prozessen.
Was bedeutet das konkret?
Qualitätssicherung für KI-Texte wird zur Prozessfrage. Statt allgemeiner Appelle braucht es definierte Prüfpunkte, die im Redaktionssystem sichtbar und nachvollziehbar sind:
- Kennzeichnung im System: Texte oder Textteile, die mit KI entstanden sind, werden im Workflow als solche markiert, damit jeder Bearbeiter weiß, worauf er achten muss.
- Faktencheck als eigener Status: Zahlen, Namen, Zitate und Quellen aus KI-Vorschlägen werden gegen die Originalquelle geprüft, bevor der Text weiterläuft.
- Automatisierte Sprachprüfung: Rechtschreibung, Grammatik und Hausstil lassen sich maschinell prüfen. Das entlastet die Redaktion, ersetzt aber nicht die inhaltliche Kontrolle.
- Dokumentierte Freigabe: Wer einen KI-gestützten Text freigegeben hat, ist im Status- oder Versionsverlauf erkennbar.
- Schulung und Leitlinien: Prüfschritte funktionieren nur, wenn alle Beteiligten wissen, welche Fehler KI typischerweise macht und welche Einsätze die Redaktion erlaubt.
Damit wird Human-in-the-loop überprüfbar: Nicht jeder Text braucht dieselbe Prüftiefe, aber für jede Art von KI-Unterstützung ist festgelegt, wer was prüft.
Unsere Empfehlung
Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme: Wo setzen Ihre Teams KI heute schon ein, offiziell oder auf eigene Faust? Daraus lassen sich Leitlinien ableiten, die erlaubte Anwendungen, Kennzeichnung und Verantwortlichkeiten klar regeln. Planen Sie Schulungen für alle, die mit KI-Ergebnissen arbeiten, nicht nur für einzelne Pilotteams.
So unterstützt aaroon
Im zweiten Schritt übertragen Sie die Prüfpunkte in Ihre Systeme. In WoodWing Studio lassen sich etwa Status und Freigaben so konfigurieren, dass KI-gestützte Inhalte einen zusätzlichen Prüfschritt durchlaufen. Den formalen Teil übernimmt eine serverbasierte Sprachprüfung wie der Duden Korrektur Server, der sich unter anderem in WoodWing einbinden lässt. KI-Vorschläge, etwa für Übersetzungen oder Metadaten, können über ao.Services als Workflow mit anschließendem Review laufen. ao.Services wird mit den KI-Accounts des jeweiligen Kunden betrieben und unterstützt die gängigen KI-Anbieter.
Als WoodWing-Integrator unterstützt aaroon Verlage und Medienagenturen dabei, solche Prüf- und Freigabeschritte technisch umzusetzen und Leitlinien für den KI-Einsatz zu entwickeln.
Entscheidend ist am Ende nicht, ob eine Redaktion KI nutzt, sondern ob sie nachweisen kann, dass ein Mensch geprüft hat, was sie veröffentlicht.
Quellen
- Umfrage von Correctiv und journalist: KI ist in Redaktionen längst Alltag, Correctiv / journalist (news aktuell, via finanznachrichten.de), 07.10.2026: https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2026–10/69775297-umfrage-von-correctiv-und-journalist-ki-ist-in-redaktionen-laengst-alltag-007.htm
- Umfrage: Medienschaffende nutzen KI intensiv, fürchten aber Stellenabbau, turi2, 07.10.2026: https://www.turi2.de/aktuell/umfrage-medienschaffende-nutzen-ki-intensiv-fuerchten-aber-stellenabbau/
- Ipsos KI-Monitor: Begeisterung der Deutschen für KI nimmt ab, die Skepsis bleibt, Ipsos, 02.06.2026: https://www.ipsos.com/de-de/node/1076651
- KI-Werbeinhalte spalten die Verbraucher (Ipsos AI Monitor 2026), Provimedia GmbH via prweb.de, 07.10.2026: https://www.prweb.de/2026/10/07/ki-werbeinhalte-spalten-die-verbraucher-42-prozent-finden-ki-erstellte-markenwerbung-in-ordnung-43-prozent-nicht-75-prozent-erwarten-offenlegung/
- KI-Studie der IG Digital 2026: Wie KI die Arbeit in Buchverlagen verändert, BuchMarkt, 25.02.2026: https://buchmarkt.de/2026/02/25/ki-studie-der-ig-digital-2026-wie-ki-die-arbeit-in-buchverlagen-veraendert/