Abendzustellung: Was späterer Andruck für die Produktion bedeutet

Isometrische Glaskarte Deutschlands mit leuchtenden Netzwerkknoten für die Abendzustellung von Zeitungen

Die SV Gruppe stellt ihre Tageszeitungen auf Abendzustellung um: Gedruckt wird um die Mittagszeit, die Printausgabe erscheint diens­tags bis sonn­tags, digi­tal an sieben Tagen. Viele Verlage suchen wegen stei­gen­der Zustellkosten nach mehr Flexibilität bei Druck und Zustellung. Wir ordnen ein, was das für Redaktionsschluss, Ausgabenplanung und Systeme bedeu­tet.

Zum 31. August war laut Nordkurier die Umstellung für Nordkurier, Prignitzer und Uckermark Kurier vorge­se­hen: Abonnenten erhal­ten die gedruckte Zeitung am Vorabend des Erscheinungsdatums statt früh am Morgen. Bis Ende September soll­ten alle Ausgaben der Schweriner Volkszeitung folgen, voraus­sicht­lich Anfang November 18 der 20 Lokalausgaben der Schwäbischen Zeitung. Bis Jahresende will die SV Gruppe nahezu alle Tageszeitungen umge­stellt haben.

Die Folgen für die Produktion beschreibt der Verlag selbst: Gedruckt wird nicht mehr in der Nacht, sondern gegen Mittag. Was am späten Nachmittag oder Abend geschieht, steht erst in der über­nächs­ten Printausgabe, im E‑Paper aber früher. Das E‑Paper erscheint an sieben Tagen und wird mehr­mals täglich aktua­li­siert. Statt montags gibt es künf­tig eine gedruckte Sonntagsausgabe, die Zahl der Printausgaben bleibt gleich.

Was bedeutet die Abendzustellung konkret?

Mit dem Andruck rückt auch der Redaktionsschluss für Print um viele Stunden nach vorn. Damit ändern sich Abläufe, die in vielen Häusern seit Jahrzehnten fest­ste­hen:

  • Zwei Taktungen: Print-Seiten werden am Vormittag abge­schlos­sen, digi­tale Ausgaben laufen bis in den Abend weiter. Die Redaktion braucht klare Regeln, welche Inhalte wann in welchem Kanal erschei­nen.
  • Ausgabenplanung: Neue Erscheinungstage verschie­ben Umfangs‑, Anzeigen- und Beilagenplanung. Montagsthemen, Wochenend-Ergebnisse oder Anzeigenbuchungen müssen neu zuge­ord­net werden.
  • Digitale Ausgabe ohne Print-Takt: An Tagen ohne Druck entsteht die Ausgabe voll­stän­dig digi­tal, ohne den gewohn­ten Print-Workflow als Taktgeber.
  • Mehrere Fassungen: Wer abends nach­legt, aktua­li­siert Texte, die im Print bereits stehen. Versionierung und nach­voll­zieh­bare Status im Redaktionssystem werden wich­ti­ger.
  • Druck- und E‑Paper-Strecken: Andruckzeiten, Übergaben an die Druckerei und die Erzeugung der E‑Paper-Ausgaben müssen auf neue Zeitfenster einge­stellt werden.

Hintergrund: Zustellkosten treiben den Umbau

Die SV Gruppe begrün­det den Schritt mit den Kosten. Die Zustellung sei »sehr, sehr teuer gewor­den«, sagte Geschäftsführer Lutz Schumacher laut dpa-AFX. Abends will die Gruppe über ihr Zustellnetz zusätz­lich Pakete, Lebensmittel, Medikamente und Briefe auslie­fern, der Paketdienst Hermes soll laut Schumacher zu den Kunden gehö­ren.

Die Branche sieht ähnli­chen Druck. In der Trendumfrage 2026 des Verlegerverbands BDZV und der Beratung Highberg unter 94 Zeitungshäusern (Geschäftsführungsebene) erwar­ten die Befragten für Nutzermarkt und Zustellung Kostensteigerungen von 11 Prozent in drei Jahren, obwohl die Zustellmengen sinken. Als Hauptfaktor gilt der Mindestlohn, der zum 1. Januar 2027 von 13,90 auf 14,60 Euro steigt.

Auf die Frage, ob sie die Printaktualität in den nächs­ten drei Jahren beibe­hal­ten, geben 64 Prozent an, mehr Flexibilität bei Druck und/oder Zustellung zu brau­chen. 36 Prozent wollen die bishe­rige Printaktualität halten. Erste Häuser verla­gern Print laut Umfrage in den späte­ren Vormittag, als Beispiele für ein geän­der­tes Zustellmodell nennt sie die NWZ und Schwäbisch Media. Die Zustellung in unwirt­schaft­li­chen Gebieten einzu­stel­len, führt die Umfrage unter den bereits umge­setz­ten oder geplan­ten Maßnahmen.

Wichtig für die Einordnung: Eine Reduzierung der Print-Erscheinungstage führt die Umfrage unter den Maßnahmen, die die Häuser »nicht geplant« haben. Auch die SV Gruppe druckt weiter an sechs Tagen, nur an ande­ren. Konsequenter ist der San Juan Record in Utah: Die Wochenzeitung hat ihre Printausgabe Ende September nach 111 Jahren einge­stellt, unter ande­rem wegen gestie­ge­ner Druck- und Zustellkosten, und setzt nun auf ihre Website.

Unsere Empfehlung

Ob Abendzustellung, späte­rer Vormittag oder ein ausge­dünn­tes Zustellgebiet: Jede Variante verän­dert den Produktionsplan. Prüfen Sie daher früh­zei­tig:

  • Welche Abläufe hängen heute an festen Andruck- und Schlusszeiten, etwa Seitenfreigaben, Korrekturschleifen oder Anzeigenschluss?
  • Lassen sich Ausgaben, Editionen und Erscheinungstage in Ihren Planungs- und Redaktionssystemen ohne Sonderlösungen umstel­len?
  • Wie entsteht die digi­tale Ausgabe an Tagen ohne Druck, und wer verant­wor­tet sie?
  • Welche Druck- und E‑Paper-Strecken laufen auto­ma­ti­siert, und wo sind Zeiten fest hinter­legt?

Spielen Sie die Umstellung zunächst in einzel­nen Lokalausgaben durch, wie es auch die SV Gruppe getan hat. So zeigen sich Engpässe im Workflow, bevor das gesamte Verbreitungsgebiet betrof­fen ist.

So unter­stützt aaroon

Als Integrator unter­stützt aaroon Verlage dabei, die Ausgaben- und Anzeigenplanung mit der data­plan JournalSuite sowie Ausgaben und Editionen in WoodWing Studio an neue Erscheinungsrhythmen anzu­pas­sen. Druck- und E‑Paper-Strecken lassen sich etwa mit Enfocus Switch auf neue Zeitfenster einstel­len.

Der Andruck ist damit nicht mehr nur eine Frage der Druckerei, sondern ein Taktgeber, der die gesamte Produktionskette neu ordnet.

Quellen

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Lassen Sie uns gemein­sam prüfen, wo in Ihren Kommunikations‑, Marketing- oder Unternehmensprozessen konkrete Effizienzpotenziale liegen.

– Henning Bartens, Co-CEO


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