
In einer aktuellen Studie zu KI im DAM nutzen fast vier von fünf Befragten KI aktiv, doch nur gut die Hälfte berichtet von Erfolg. Mehrere Untersuchungen nennen dieselben Bremsen: fehlende Governance, schwache Metadaten und isolierte KI-Funktionen. Wir ordnen ein, was Sie vor dem nächsten KI-Feature klären sollten.
Mitte September hat der Digitalverband Bitkom gemeldet, dass erstmals die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland KI nutzt: 57 Prozent der 603 befragten Firmen ab 20 Beschäftigten. Aufschlussreicher ist ein Detail: Unter den KI-Nutzern nennt die Hälfte die Aufbereitung von Daten als großen Kostenpunkt, 41 Prozent die Systemintegration. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst fasst es so zusammen: »Daten aufbereiten, Systeme verbinden und Rechenkapazität bereitstellen erfordert den höchsten Aufwand.«
Im Digital Asset Management (DAM) zeigt sich dasselbe Muster, nur deutlicher.
Viel Nutzung, wenig Wirkung: Was die Studien zeigen
Für die Studie »2026 State of AI in DAM & Content Operations« hat die Beraterin Kristina Huddart (Huddart Consulting), unterstützt von unserem Partner WoodWing, 271 Fachleute von Markenunternehmen, Technologieanbietern und Implementierungspartnern befragt. 79 Prozent nutzen KI aktiv, aber nur 54 Prozent bezeichnen den Einsatz als erfolgreich. Als größte Hürden nennen 83 Prozent fehlende Governance oder Aufsicht, 66 Prozent Probleme mit der Metadaten- und Datenqualität und 56 Prozent begrenzte KI-Kompetenzen. In jeder vierten Organisation gibt es keine klare Zuständigkeit für KI-Initiativen. Weil WoodWing die Studie unterstützt und der Erfolg auf Selbsteinschätzung beruht, ist sie eher als Stimmungsbild zu lesen.
Ähnlich fällt der kostenpflichtige Forrester-Report »Digital Asset Management Anchors Modern Content Operations« (Juni 2026) aus. Laut der Zusammenfassung des DAM-Anbieters Papirfly haben 67 Prozent der befragten DAM-Entscheider Mühe, vorhandene Inhalte wiederzuverwenden, zu aktualisieren oder auszusortieren. 47 Prozent nennen die Integration mit angrenzenden Systemen als Top-Priorität für die nächsten zwölf Monate, 58 Prozent berichten von Schwierigkeiten mit ihrer KI-Integrationsstrategie. Grundlage ist laut Papirfly eine Befragung von 313 Entscheidern im dritten Quartal 2025.
Das Analystenhaus Real Story Group beobachtet zudem, dass die meisten DAM-Anbieter eigene KI-Funktionen für Tagging und Suche nachrüsten. Die Gefahr: KI-Insellösungen quer durch den MarTech-Stack. Die Analysten empfehlen, KI als grundlegende Schicht der Systemarchitektur zu planen statt als Funktion einzelner Produkte.
Was bedeutet das konkret?
KI im DAM scheitert selten an der Technik, sondern an dem, worauf sie aufsetzt. Das Verschlagworten und Anreichern von Metadaten ist laut Huddart-Studie mit 65 Prozent der häufigste Anwendungsfall und hängt zugleich am stärksten von vorhandenen Strukturen ab:
- Taxonomie: Ohne kontrolliertes Vokabular vergibt ein KI-Modell Schlagworte, nach denen niemand sucht, oder mehrere Varianten desselben Begriffs. Die Suche wird dadurch nicht besser, sondern unübersichtlicher.
- Disziplin beim Upload: Auffindbarkeit hängt laut Papirfly-Zusammenfassung des Forrester-Reports weniger von der Suchtechnik ab als von einheitlicher Benennung, konsistenter Taxonomie und Pflichtmetadaten beim Hochladen.
- Verantwortung: Wer pflegt Vokabulare, wer entscheidet, welche KI-Vorschläge übernommen werden, wer prüft Stichproben? Fehlt diese Rolle, laufen Ergebnisse ungeprüft in den Bestand.
- Integration: Nutzen DAM, Redaktionssystem und CMS jeweils eigene KI-Funktionen mit eigenen Regeln, entstehen am selben Asset widersprüchliche Metadaten.
Dass sich Vorarbeit auszahlt, deutet die Huddart-Studie ebenfalls an: Von den Organisationen, die noch experimentieren, berichten 35 Prozent von Erfolg, von jenen mit fest verankerter KI 77 Prozent. Rechte- und Lizenzfragen bleiben dabei ein eigenes Thema; hier geht es um Ordnung und Datenqualität.
Unsere Empfehlung: Erst Readiness, dann KI im DAM
- Bestand prüfen: Ziehen Sie eine Stichprobe. Wie vollständig sind Pflichtfelder, wie viele Schreibweisen gibt es für dieselben Schlagworte, welche Felder nutzt niemand?
- Vokabular festlegen: Definieren Sie Taxonomie und kontrolliertes Vokabular, bevor KI Schlagworte vergibt, und bilden Sie KI-Vorschläge auf diese Liste ab, statt freie Begriffe zuzulassen.
- Zuständigkeiten klären: Benennen Sie fachlich Verantwortliche für Metadatenmodell und KI-Workflows und legen Sie fest, wie ungeprüfte Vorschläge gekennzeichnet und freigegeben werden.
- Klein und messbar starten: Die Studie empfiehlt 90-Tage-Piloten mit formalen Kennzahlen. Messen Sie etwa Nachbearbeitungsquote, Suchtreffer oder Zeit bis zur Freigabe.
- Zentral anbinden: Steuern Sie KI-Funktionen über eine gemeinsame Workflow-Schicht, statt in jedem System eigene Regeln zu pflegen.
So unterstützt aaroon
Taxonomie, Vokabular und Zuständigkeiten prüfen wir mit Ihnen im Rahmen von CONSULT + CONNECT. Darauf aufbauend lassen sich wiederkehrende Aufgaben in WoodWing Assets und WoodWing Studio mit ao.Services automatisieren, etwa das Klassifizieren und Anreichern mit Metadaten oder die Transkription von Audiodateien. ao.Services wird mit dem KI-Account des jeweiligen Kunden betrieben und unterstützt die gängigen KI-Anbieter.
Welches KI-Feature ein DAM mitbringt, ist damit zweitrangig; entscheidend ist, ob Metadaten, Regeln und Zuständigkeiten es tragen.
Quellen
- Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI, Bitkom, 14.09.2026: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Erstmals-nutzt-Mehrheit-Unternehmen-KI
- 2026 State of AI in DAM & Content Operations Research (Herstellerquelle), WoodWing (Magdalena Ivanova) / Huddart Consulting, 08.05.2026: https://www.woodwing.com/blog/2026-state-ai-dam-content-operations-research-results-revealed
- 5 insights from Forrester’s latest DAM trends report (Herstellerquelle, zitiert Forrester), Papirfly (Melanie Duffy), 12.08.2026 (aktualisiert 29.09.2026): https://www.papirfly.com/blog/digital-asset-management/forrester-dam-content-operations/
- DAM in 2026 & Beyond: Six Trends We’re Watching, Real Story Group, 12.02.2026: https://realstorygroup.com/Blog/dam-2026-beyond-six-trends-were-watching