
Laut dem neuen Developer Survey von Stack Overflow nutzen 73 Prozent der Entwickler mit KI-Coding-Assistenten diese täglich. KI-generierter Code besteht laut einer Herstellerstudie von Veracode im Schnitt aber nur 56 Prozent der Sicherheitstests. Wir ordnen ein, was das für selbstgebaute Tools rund um Redaktionssystem, DAM und Kundendaten bedeutet.
Am 6. Oktober 2026 hat Stack Overflow die Ergebnisse seines Developer Survey 2026 veröffentlicht, an dem nach eigenen Angaben mehr als 30.000 Menschen teilgenommen haben. Die KI-Nutzer setzen die Werkzeuge vor allem ein, um Code in vertrauten Bereichen zu erzeugen (67 Prozent) und zum Debugging (61 Prozent). Für Bereitstellung, Betrieb und Fehlersuche in Produktivsystemen nennen sie nur 20 Prozent.
Bemerkenswert ist eine weitere Zahl: Damit sie KI-Ausgaben vertrauen, verlangen 93 Prozent Quellenangaben. Auf welche Gruppe sich dieser Wert bezieht, lässt der Blogbeitrag offen. Die Richtung ist dennoch klar: Entwickler nutzen KI intensiv, verlassen sich aber nicht blind auf sie.
Wie sicher ist KI-generierter Code?
Wie berechtigt diese Vorsicht ist, zeigt der »2026 GenAI Code Security Report« des Sicherheitsanbieters Veracode, eine Herstellerstudie aus dem Sommer 2026. Für den aktuellen Datensatz wurden elf Modelle mit 80 Programmieraufgaben getestet. Syntaktisch korrekt ist der erzeugte Code laut Veracode nahezu immer. Bei den Sicherheitstests liegt die durchschnittliche Erfolgsquote dagegen bei nur 56 Prozent, gemessen über mehr als 100 seit Programmstart getestete Modelle. Dieser Wert hat sich nach Angaben des Herstellers in vier Jahren praktisch nicht bewegt; sechs der elf aktuellen Modelle liegen zwischen 50 und 53 Prozent.
Selbst das beste Modell im Test, GPT‑5.5 von OpenAI, erreicht 68 Prozent und scheitert damit an fast jeder dritten Sicherheitsaufgabe. Auf Programmierung spezialisierte Modelle schneiden mit 51 Prozent nicht besser ab als allgemeine Modelle mit 52 Prozent. Zwischen den Sprachen gibt es große Unterschiede: Laut Veracode erreicht Python 63 Prozent, Java als Schlusslicht nur 30 Prozent.
Für die Einordnung wichtig: Getestet wurden die reinen Modelle, ohne Agenten-Setups, Leitplanken oder menschliches Review. Veracode-Mitgründer Chris Wysopal zieht daraus den Schluss, KI-Code sei wie jeder ungeprüfte Code zu behandeln: »scan it, fix it, and never ship it blind«.
Was bedeutet das konkret?
Das Thema betrifft längst nicht mehr nur Entwicklungsabteilungen. In den Journalismus-Prognosen von Nieman Lab erwartete Kawandeep Virdee (Google Labs) für 2026, dass Journalisten zunehmend eigene Werkzeuge bauen, und warnte zugleich, solche per Vibe Coding (Software per Prompt erzeugen, ohne den Code im Detail zu verstehen) entstandenen Apps könnten fehlerhaft, schwer wartbar und unsicher sein. Gemeint sind etwa ein Skript für den Bildexport aus dem DAM, ein Formular für Leserdaten oder ein Konnektor, der Texte aus dem Redaktionssystem an einen KI-Dienst schickt.
Kritisch wird es an drei Stellen:
- Zugangsdaten: Schnittstellen zu Redaktionssystem oder DAM brauchen Zugangsdaten. Landen API-Schlüssel im Quelltext oder in einem öffentlichen Repository, ist der mögliche Schaden größer als jeder Zeitgewinn.
- Personenbezogene Daten: Sobald ein Tool Kunden‑, Abonnenten- oder Mitarbeiterdaten verarbeitet, gelten die Pflichten der DSGVO, unabhängig davon, wer oder was den Code geschrieben hat.
- Betrieb: Ein Prototyp auf dem Laptop hat keine Updates, kein Monitoring und keinen Verantwortlichen. Fällt der Ersteller aus, steht oft auch das Tool still.
Auch die Behörden sehen Handlungsbedarf: BSI und die französische ANSSI haben bereits im Oktober 2024 gemeinsame Empfehlungen zum Einsatz von KI-Programmierassistenten veröffentlicht. Sie richten sich ausdrücklich an Entscheider und Entwickler und weisen unter anderem auf die Risiken gemeinsam genutzter, über das Internet erreichbarer Dienste hin.
Unsere Empfehlung
Da die Werkzeuge ohnehin täglich genutzt werden, kommt es auf einen schlanken, verbindlichen Prüfprozess an:
- Keine Abkürzung in den Betrieb: KI-generierter Code geht erst nach Review und automatisierter Sicherheitsprüfung, etwa statischer Codeanalyse und Prüfung der Abhängigkeiten, an Produktivsysteme oder echte Daten.
- Verantwortliche benennen: Jedes selbstgebaute Tool bekommt einen Owner, eine kurze Dokumentation und einen Platz in der Systemübersicht.
- Testdaten statt Echtdaten: Prototypen arbeiten mit anonymisierten oder synthetischen Daten, bis die Prüfung abgeschlossen ist.
- Minimale Rechte: Technische Benutzer für Schnittstellen erhalten nur die Rechte, die das Tool wirklich braucht. Zugangsdaten gehören in einen zentralen Secret-Speicher, nicht in den Code.
- Betrieb planen: Was dauerhaft läuft, gehört auf eine gewartete Infrastruktur mit Updates, Backups und Monitoring.
So unterstützt aaroon
Wer KI-gestützte Abläufe dauerhaft nutzen will, braucht Prozesse, die gesichert, überwacht und geprüft sind – nicht einzelne ungeprüfte Eigenbauten. Dafür setzen wir auf ao.Services: Die KI-Workflows laufen dort als sichere, überwachte und geprüfte Prozesse, angebunden an WoodWing Studio oder WoodWing Assets und betrieben mit dem KI-Account des jeweiligen Kunden bei einem der gängigen Anbieter.
KI senkt die Hürde, Software zu schreiben. Die Verantwortung dafür, was diese Software mit Daten und Systemen macht, bleibt beim Betreiber.
Quellen
- Veracode Finds AI-Generated Code Security Has Barely Improved Since Last Year, SD Times, 28.07.2026: https://sdtimes.com/agentic-security/veracode-finds-ai-generated-code-security-has-barely-improved-since-last-year/
- 2026 GenAI Code Security Report, Veracode, Sommer 2026: https://www.veracode.com/resources/analyst-reports/2026-genai-code-security-report
- The results of the 2026 Developer Survey are here!, Stack Overflow (Ryan Donovan), 06.10.2026: https://stackoverflow.blog/2026/10/06/the-results-of-the-2026-developer-survey-are-here/
- Predictions for Journalism 2026: Rise of the vibecoding journalists, Nieman Lab (Kawandeep Virdee), 18.12.2025: https://www.niemanlab.org/2025/12/rise-of-the-vibecoding-journalists/
- ANSSI and BSI publish their security recommendations regarding AI programming assistants, ANSSI / BSI, 04.10.2024: https://cyber.gouv.fr/en/actualites/anssi-and-bsi-publish-their-security-recommendations-regarding-ai-programming-assistants