KI-Wasserzeichen: Google öffnet Prüftool, OpenAI markiert EU-Texte

Foto- und Textkarte unter einer Lupe, die ein verborgenes Wasserzeichen-Muster sichtbar macht

Google macht seinen SynthID Detector öffent­lich zugäng­lich, OpenAI versieht KI-Text aus ChatGPT und Codex künf­tig mit einem unsicht­ba­ren Wasserzeichen – aller­dings nur in der EU. Beide Schritte zeigen, wie KI-Wasserzeichen in der Praxis ankom­men. Für Redaktionen und Agenturen sind sie ein nütz­li­ches Prüfwerkzeug, aber kein Beweis.

Am 7. Oktober hat Google DeepMind den SynthID Detector für alle geöff­net, nach Angaben des Unternehmens welt­weit und auf Englisch. Bisher hatten nur Journalisten und Forscher Zugang. Das Webtool prüft Bilder, Videos und Audio auf SynthID-Wasserzeichen. Erkannt werden laut Google Inhalte aus Google-Modellen und von Partnern wie OpenAI, NVIDIA und Kakao, Apple soll folgen.

OpenAI hatte bereits am 5. Oktober ange­kün­digt, in den kommen­den Wochen Textausgaben von ChatGPT und Codex in der EU mit einem Wasserzeichen namens textGrain zu verse­hen. Außerhalb der EU bleibt es dort vorerst aus, API-Kunden welt­weit können es für ausge­wählte Modelle akti­vie­ren. Den passen­den Text-Detektor erhal­ten zunächst nur geprüfte Forscher und Fachorganisationen.

Was bedeutet das konkret?

Für die Verifikation einge­hen­der Inhalte gewin­nen Sie ein zusätz­li­ches Werkzeug. Ein posi­ti­ver SynthID-Treffer ist ein star­kes Indiz, dass ein Bild, Video oder Audio mit einem betei­lig­ten KI-Dienst erzeugt oder bear­bei­tet wurde. Ein nega­ti­ves Ergebnis sagt dage­gen wenig: Inhalte ande­rer Anbieter, etwa aus Open-Source-Modellen, tragen kein SynthID-Signal.

Hinzu kommen weitere Grenzen. Laut Engadget unter­schei­det das Tool nicht zwischen voll­stän­dig erzeug­ten und nur bear­bei­te­ten Inhalten, und Wasserzeichen lassen sich unter Umständen entfer­nen. Texte prüft der SynthID Detector nicht.

Bei Text ist die Lage noch unsi­che­rer. OpenAI nennt selbst Zahlen: Bei Passagen von 400 Token fiel die Erkennungsrate nach dem Austausch von 10 Prozent der Wörter durch Synonyme von etwa 92 auf 66 Prozent, bei 25 Prozent auf rund 17 Prozent.

Wird kein Wasserzeichen erkannt, beweist das nicht, dass ein Mensch den Text geschrie­ben hat.

OpenAI – Our approach to EU text proven­ance rules, 05.10.2026 deut­sche Übersetzung

Für Ihre eige­nen KI-Inhalte heißt das: Das Wasserzeichen setzt der Anbieter des Modells, nicht Ihr Haus. Ob eine Grafik oder ein Text mit KI entstan­den ist, sollte deshalb zusätz­lich in Ihren Systemen doku­men­tiert sein. Das gilt unab­hän­gig davon, ob ein Wasserzeichen nach Bearbeitung und Export noch nach­weis­bar ist.

Hintergrund: KI-Wasserzeichen und die KI-Verordnung

Den Rahmen setzt Art. 50 Abs. 2 der KI-Verordnung. Anbieter von KI-Systemen, die synthe­ti­sche Audio‑, Bild‑, Video- oder Textinhalte erzeu­gen, müssen diese maschi­nen­les­bar markie­ren und als künst­lich erzeugt erkenn­bar machen, soweit das tech­nisch mach­bar ist. Die Pflicht gilt seit dem 2. August 2026.

Für Systeme, die vor diesem Datum auf den Markt kamen, gilt nach dem Digital Omnibus zur KI-Verordnung, der Verordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026, eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. OpenAI begrün­det die Einführung in der EU ausdrück­lich mit der KI-Verordnung und will mit dem regio­na­len Ansatz zunächst Erfahrungen aus der Praxis sammeln.

Daneben enthält Art. 50 Pflichten für Betreiber, also auch für Verlage und Unternehmen, die KI einset­zen, etwa bei Deepfakes oder bei KI-Texten zu Themen von öffent­li­chem Interesse. Bei solchen Texten entfällt die Kennzeichnung laut Computerwoche, wenn sie vor der Veröffentlichung von Menschen geprüft wurden und eine redak­tio­nelle Verantwortung besteht. Welche Pflichten Ihr Haus konkret tref­fen, soll­ten Sie mit Ihrer Rechtsberatung klären.

Wasserzeichen sind dabei nur ein Baustein. Für Bilder setzt OpenAI zusätz­lich auf C2PA-Content-Credentials, die Herkunft und Bearbeitungsschritte doku­men­tie­ren. Die IPTC empfiehlt bereits seit 2023, KI-gene­rierte Medien über das Metadatenfeld Digital Source Type mit dem Wert »trainedAlgorithmicMedia« auszu­wei­sen.

Unsere Empfehlung

  • Verifikation als Prozess: Nehmen Sie den SynthID Detector und OpenAIs Prüfseite für Bilder in den Prüfablauf für Material aus unkla­ren Quellen auf und doku­men­tie­ren Sie das Ergebnis. Ein Treffer ist ein Indiz, kein Treffer keine Entwarnung.
  • Herkunft beim Import erfas­sen: Legen Sie im DAM fest, dass der Digital Source Type beim Ingest gele­sen oder gesetzt wird, und machen Sie das Feld für KI-Material verbind­lich.
  • Metadaten erhal­ten: Prüfen Sie, ob Bildbearbeitung, Exportprofile und CMS-Übergaben XMP- und C2PA-Daten beibe­hal­ten oder entfer­nen.
  • Kennzeichnung tren­nen: Regeln Sie die sicht­bare Kennzeichnung für Leser und die maschi­nen­les­ba­ren Daten getrennt, mit klaren Zuständigkeiten.
  • Dienstleister fragen: Klären Sie, welche KI-Dienste in Ihren Werkzeugen Wasserzeichen setzen und ab wann das für bestehende Systeme gilt.

So unter­stützt aaroon

Herkunftsangaben lassen sich in WoodWing Assets als Metadatenfelder und Prüfschritte im Workflow abbil­den. Auch KI-gestützt erzeugte Metadaten, etwa aus unse­ren ao.Services-Modulen, soll­ten dabei als solche erkenn­bar blei­ben.

Quellen

  • We’re making it easier to iden­tify AI-gene­ra­ted content globally, Google (Pushmeet Kohli, Google DeepMind), 07.10.2026, blog.google
  • Our approach to EU text proven­ance rules, OpenAI, 05.10.2026, openai.com
  • Google’s AI detec­tion website is now available, Engadget, 07.10.2026, engadget.com
  • Google rollt SynthID Detector für alle aus: Was die KI-Erkennung kann – und was nicht, t3n, 07.10.2026, t3n.de
  • OpenAI to Add Text Watermarking for EU ChatGPT and Codex Users, Technobezz, 05.10.2026, technobezz.com
  • EU AI Act Omnibus Agreement – Postponed High-Risk Deadlines and Other Key Changes, Gibson Dunn, 27.05.2026, gibsondunn.com
  • Digital Omnibus on AI has been published, Cuatrecasas, 24.07.2026, cuatrecasas.com
  • KI-Kennzeichnungspflicht – das gilt jetzt, Computerwoche, 03.08.2026, computerwoche.de
  • Article 50: Transparency Obligations, artificialintelligenceact.eu, abge­ru­fen 08.10.2026, artificialintelligenceact.eu
  • IPTC publishes meta­data guidance for AI-gene­ra­ted synthe­tic media, IPTC, 09.05.2023, iptc.org
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