IPTC-Metadaten: Warum Bildcredits auf dem Weg ins Web verschwinden

Fotokarte verliert auf dem Weg vom Archiv in den Browser ihren Credit-Anhänger – IPTC-Metadaten gehen verloren

Die erste Auswertung des neuen IPTC-Metawatch zeigt: Nur 7,2 Prozent der redak­tio­nel­len Bilder auf Nachrichtenportalen tragen noch einen Credit- oder Copyright-Vermerk. Die IPTC-Metadaten gehen dabei nicht im DAM verlo­ren, sondern auf dem Weg ins Web. Wir ordnen ein, wo Verlage und Agenturen anset­zen können.

Am 5. Oktober 2026 hat das IPTC, das inter­na­tio­nale Standardisierungsgremium der Nachrichtenbranche, seinen Metawatch vorge­stellt. Der kosten­lose Monitor prüft künf­tig monat­lich, ob 508 Nachrichtenportale in 122 Ländern Urheber, Bildunterschrift, Copyright und Credit-Zeile in ihren Fotos erhal­ten. Geprüft wird jeweils das Leitfoto von bis zu 20 aktu­el­len Artikeln pro Portal, ausge­wer­tet werden Exif, IPTC-Felder (IIM und XMP) und C2PA-Herkunftsnachweise.

Das Ergebnis des Oktober-Laufs ist ernüch­ternd. Von 425 auswert­ba­ren Portalen behiel­ten 321, also rund drei von vier, auf keinem geprüf­ten Bild auch nur eines der bewer­te­ten Felder. Nur 11 Prozent der 6.580 Bilder enthiel­ten über­haupt IPTC-Metadaten. Der Anteil mit Credit- oder Copyright-Vermerk liegt mit 7,2 Prozent kaum anders als in einer IMATAG-Studie von 2018, die 8 Prozent ermit­telte.

Wo gehen die IPTC-Metadaten verloren?

Die wich­tigste Erkenntnis betrifft den Ort des Verlusts. Bei Portalen hinter den großen CDNs (Content Delivery Networks) wie Cloudflare, Akamai, CloudFront oder Fastly fehl­ten die Metadaten in 87 bis 95 Prozent der Fälle, ohne CDN aber eben­falls in 87 Prozent. Das IPTC folgert, dass das Entfernen offen­bar in der Publishing-Pipeline passiert, und damit dort, wo Verlage selbst eingrei­fen können. Sinngemäß heißt es: Die Lösung sei meist eine Einstellung, kein Projekt.

Ein Blick in die Dokumentation von Cloudflare zeigt, wie schnell das geht: Bei der Bildtransformation ins JPEG-Format entfernt die Standardeinstellung alle Metadaten außer dem EXIF-Copyright-Tag, bei WebP und PNG werden Metadaten laut Cloudflare immer verwor­fen. Wie sich CMS-Bildrenderer und Optimierungsdienste in Ihrer Umgebung verhal­ten, soll­ten Sie deshalb gezielt prüfen.

Dass es anders geht, bele­gen die Daten eben­falls: USA Today kam im September 2026 bei 95 Prozent der Leitfotos auf Credit-Metadaten, Les Echos stei­gerte sich von 6 auf 75 Prozent. Deutschland liegt im Ländervergleich mit 19,2 von 100 Punkten knapp hinter Frankreich auf Rang zwei, getra­gen von weni­gen Titeln. Auch hier ist der Abstand zum Ziel groß.

Was bedeutet das konkret?

Für Redaktionen und Agenturen ist der Befund mehr als eine Formalie. Fehlende Metadaten wirken sich an mehre­ren Stellen aus:

  • Rechte und Credits: Wird ein Bild weiter­ver­brei­tet, fehlt der maschi­nen­les­bare Hinweis auf Fotograf und Rechteinhaber. Die sorg­fäl­tige Pflege im DAM endet dann am Ausgang.
  • KI-Nutzungsvorbehalt: Das IPTC-Feld PLUS Data Mining erlaubt einen maschi­nen­les­ba­ren Vorbehalt gegen Text- und Data-Mining. Laut Metawatch nutzen es nur 15 Portale (3,0 Prozent), auf Bildebene sind es 0,6 Prozent.
  • Herkunftsnachweis: Unter den 6.580 Bildern trugen nur 27 ein C2PA-Manifest, fast alle aus KI- oder Designwerkzeugen, keines aus einer Redaktion.
  • Wiederverwendung: Archive und Syndication profi­tie­ren nur, wenn Metadaten über alle Systemgrenzen hinweg erhal­ten blei­ben.

Auch Hersteller rücken das Thema in den Vordergrund. Fotoware zählt in einem Ratgeber (Herstellerquelle) die Unterstützung von IPTC, XMP, EXIF und C2PA ohne Datenverlust beim Wechsel zwischen Systemen zu den Kernanforderungen an ein Verlags-DAM. Unser Partner WoodWing beschreibt in einem aktu­el­len Beitrag zur KI-Lizenzierung von Archiven C2PA Content Credentials als Mittel, die Herkunft von Medien mit signier­ten Nachweisen abzu­si­chern, betont aber, dass Herkunftsnachweise kein Rechtemanagement erset­zen.

Unsere Empfehlung

Ein Metadaten-Audit entlang der gesam­ten Kette lohnt sich, bevor Sie in neue Felder oder Standards inves­tie­ren:

  • Eigenes Portal prüfen: Schauen Sie nach, ob Ihr Titel im Metawatch erfasst ist, und lassen Sie den Crawler gege­be­nen­falls in Ihrem Bot-Management zu. Die Rohdaten stehen als Open Data unter CC BY 4.0 bereit.
  • Kette nach­ver­fol­gen: Laden Sie ein Testbild mit voll­stän­di­gen Feldern ins DAM und prüfen Sie es nach jeder Station erneut: Redaktionssystem, CMS, Bildrenderer, CDN.
  • Fünf Felder prio­ri­sie­ren: Das IPTC empfiehlt, zunächst für das Leitfoto Urheber, Credit-Zeile, Bildunterschrift, Copyright-Hinweis und Data-Mining-Vorbehalt zu sichern.
  • Export-Profile fest­le­gen: Definieren Sie, welche Felder beim Export verpflich­tend mitge­hen, und veran­kern Sie die Prüfung als auto­ma­ti­sier­ten Schritt im Workflow.

So unter­stützt aaroon

Als WoodWing-Integrator unter­stüt­zen wir Verlage und Agenturen beim Feld-Mapping zwischen WoodWing Assets, Redaktionssystem und CMS. Wo Einstellungen von CDN oder Bilddiensten betrof­fen sind, geht es um Beratung und Integration im Rahmen von CONSULT + CONNECT.

Der Metawatch macht den Metadatenverlust erst­mals monat­lich mess­bar, und damit auch jede Verbesserung, die eine geän­derte Einstellung in der eige­nen Pipeline bewirkt.

Quellen

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– Henning Bartens, Co-CEO


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