
Werbegeld wandert weiter von Print zu Social Media, Video und programmatisch gehandelten Digitalformaten. Für die Planung 2027 heißt das: Ausgaben, Inhalte und Anzeigen gehören in einen gemeinsamen Planungsprozess. Wir ordnen die aktuellen Prognosen ein und zeigen, wo Verlage, Agenturen und Unternehmen ansetzen sollten.
Anfang Oktober hat der Marktforscher WARC seine neue Werbemarktprognose vorgelegt. Laut MEEDIA wachsen die weltweiten Werbeausgaben 2026 um 11,9 Prozent auf 1,34 Billionen US-Dollar, für 2027 erwartet WARC ein Plus von 8,4 Prozent. Getragen wird das Wachstum vor allem von Social Media (plus 21,3 Prozent), Video-on-Demand, Retail Media und Search. Für das kommende Jahr rechnet WARC laut MEEDIA bei Print weltweit mit weiteren Werbeeinbußen von rund 0,9 Prozent, beim Fernsehen mit minus 1,8 Prozent.
Was sich im deutschen Markt verschiebt
Für Deutschland zeichnet der Online-Vermarkterkreis (OVK) im BVDW ein ähnliches Bild. Seine Prognose vom 23. September 2026 sieht für den digitalen Werbemarkt ein Plus von 13,8 Prozent auf knapp 9 Milliarden Euro. 78 Prozent davon, rund 7,1 Milliarden Euro, sollen programmatisch gehandelt werden, also automatisiert über Plattformen statt über klassische Einzelbuchungen. Digitales Video kommt auf 53 Prozent des Marktes; Connected TV ist erstmals in den Zahlen enthalten.
Auf der Print-Seite bestätigen die ZAW-Zahlen für 2025 den Trend. Laut BDZV sanken die Netto-Werbeeinnahmen der Tageszeitungen im Print um 9,0 Prozent auf 1,269 Milliarden Euro, während das Segment »Print Digital« mit Rubriken‑, Display- und Native-Werbung um 8,4 Prozent auf 2,536 Milliarden Euro zulegte.
Auch das Publikum bewegt sich. Laut Digital News Report 2026 des Reuters Institute nutzen in 48 Märkten 54 Prozent der Befragten Social- und Videoplattformen für Nachrichten, aber nur 51 Prozent die Websites und Apps der Nachrichtenanbieter. In Deutschland nennen 18 Prozent Social Media und Videoplattformen als Hauptquelle für Nachrichten, vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Was bedeutet das konkret?
Die Zahlen sind kein Abgesang auf Print, verändern aber die Planungslogik. Früher war das Heft mit seinem Anzeigenumfang der Ausgangspunkt. Heute verteilen sich Erlöse auf Website, App, Newsletter, Video und Print, und ein großer Teil des digitalen Inventars wird automatisiert vergeben.
- Ausgabenplanung ohne Kanalgrenze: Themen, Formate und Termine sollten in einer Planung sichtbar sein, gleich ob Print-Ausgabe, Web-Strecke oder Videoformat.
- Anzeigen und Inventare gemeinsam planen: Print-Buchungen, Sonderwerbeformen und digitale Inventare konkurrieren um dieselben Budgets. Vermarktung, Redaktion und Produktion brauchen dieselbe Sicht.
- Umfänge flexibel halten: Schwankt das Anzeigenaufkommen, müssen Seitenumfänge und Ausgaben später und schneller angepasst werden können.
- Video als Planungsgröße: Wer Bewegtbild vermarkten will, muss es planen wie einen Artikel, mit Ressourcen, Terminen und Freigaben.
- Kennzahlen zusammenführen: Produktionsstatus, Budgets und Kosten gehören in einen gemeinsamen Überblick statt in getrennte Tabellen.
Für Agenturen und Corporate Publisher gilt das sinngemäß: Kampagnen- und Contentplanung für mehrere Kanäle laufen oft noch in getrennten Werkzeugen, die nur über Exporte und E‑Mails zusammenfinden.
Unsere Empfehlung für die Planung 2027
Nutzen Sie die Budgetrunde für 2027, um nicht nur die Zahlen, sondern auch die Planungsprozesse selbst zu prüfen:
- Bestandsaufnahme: In welchen Werkzeugen werden Themen, Ausgaben, Anzeigen und Produktion heute geplant, und wo werden Daten doppelt gepflegt?
- Schnittstellen klären: Welche Systeme, etwa Redaktionssystem, Anzeigenverwaltung, Vermarktung und Produktion, müssen Planungsdaten austauschen und in welcher Richtung?
- Schrittweise ausbauen: Führen Sie die gemeinsame Planung zuerst für Print und Web ein und erweitern Sie sie danach um Video und Newsletter.
- Prognosen kritisch lesen: Verbände und Marktforscher grenzen Märkte unterschiedlich ab. Der OVK hat seine Werte für 2024 und 2025 etwa rückwirkend an die neue Datengrundlage mit Connected TV angepasst.
So unterstützt aaroon
Als dataplan-Partner setzt aaroon dafür auf die Planungslösungen von dataplan. Die dataplan JournalSuite verbindet Redaktionsplanung, integriertes Anzeigenmanagement und Produktionsüberwachung in Echtzeit und lässt sich an WoodWing Studio und andere Publishingsysteme anbinden. Für die kanalübergreifende Content-Planung steht die dataplan ContentSuite zur Verfügung.
Ob Print schrumpft oder sich stabilisiert, entscheidet keine Planungssoftware. Sie bestimmt aber, wie schnell ein Haus auf verschobene Budgets reagieren kann.
Quellen
- Weltweiter Werbemarkt wächst 2026 um 11,9 Prozent — Print und TV sehr schwach, MEEDIA (Rupert Sommer), 08.10.2026: https://meedia.de/news/beitrag/25203-weltweiter-werbemarkt-waechst-2026-um-11–9‑prozent-print-und-tv-sehr-schwach.html
- OVK-Prognose 2/2026: Digitaler Werbemarkt wächst auf knapp neun Milliarden Euro, BVDW / OVK, 23.09.2026: https://www.bvdw.org/news-und-publikationen/ovk-prognose‑2–2026/
- ZAW: Print verliert, Digital wächst, BDZV, 26.05.2026: https://www.bdzv.de/service/presse/branchennachrichten/2026/zaw-print-verliert-digital-waechst
- Overview and key findings of the 2026 Digital News Report, Reuters Institute for the Study of Journalism, 16.06.2026: https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/digital-news-report/2026/dnr-executive-summary