ArtCraft Crafting Apps: Adobe-Alternative für Verlage im Check

Abstrakte 3D-Illustration: Kreativ-Apps und Druckseite als Open-Source-Alternative zu Adobe-Programmen

Die ArtCraft Crafting Apps sollen als Open-Source-Sammlung Photoshop, Illustrator, InDesign und Acrobat erset­zen, ohne Abo und Cloud-Zwang. Für Verlage ist das Projekt vorerst beob­ach­tens­wert, aber kein Ersatz: Nach Angaben des Projekts ist das InDesign-Pendant DesignCraft noch in Entwicklung.

Was bedeutet das konkret?

Für produk­tive Verlagsprozesse ändert sich aktu­ell nichts. Die Meldung ist ein Marktsignal, keine Migrationsoption. Die wich­tigs­ten Punkte:

  • Reifegrad: Laut Gigazine sind PhotoCraft (Photoshop-Pendant) und PrintCraft (Acrobat-Pendant) als »Early alpha« einge­stuft. VectorCraft, FilmCraft, LightCraft, EffectCraft und DesignCraft (InDesign-Pendant) gelten als »In deve­lo­p­ment«.
  • Kosten- und Betriebsmodell: Der Quellcode liegt laut Gigazine auf GitHub. Das Hauptrepository von ArtCraft steht laut GitHub unter MIT oder Apache‑2.0, eine eigene Lizenzangabe für die Crafting Apps enthal­ten die Quellen nicht. Die Dateien werden nach Angaben des Projekts lokal verar­bei­tet, ohne Cloud, Abo, Lizenzserver oder Konto.
  • Austausch mit Adobe-Formaten: Das ist je nach App unter­schied­lich gelöst. PhotoCraft liest und schreibt PSD und PSB. DesignCraft soll über IDML Daten aus bestehen­der Software über­neh­men können.
  • Stabilität: Der Entwickler Brandon Thomas erklärte laut t3n selbst, es dauere noch einige Monate, bis 99 Prozent der Features abge­deckt seien. Erste Tester verwie­sen auf Defizite.

Was die ArtCraft Crafting Apps leisten sollen

ArtCraft ist zunächst eine Umgebung für KI-gestützte Bild- und Videoerstellung, die 2D- und 3D-Kompositionen mit exter­nen Generativmodellen verbin­det. Die »Crafting Apps« sind ein sepa­ra­tes Vorhaben des Teams. Sie sollen nach Angaben des Projekts Oberfläche und Arbeitsweise der Adobe-Programme nach­bil­den, jede App ist dafür in Rust neu entwi­ckelt. Laut t3n entsteht das Ganze mit einem vier­köp­fi­gen Team. Die Entwicklung erfolgt eige­nen Angaben zufolge mit Claude Opus 5.5 als KI-Werkzeug. Die Aussage, Photoshop in einer einzi­gen Sitzung nach­ge­baut zu haben, stammt laut t3n von Thomas selbst auf Hacker News und lässt sich nicht über­prü­fen.

Für Verlage sind vor allem zwei Apps rele­vant. DesignCraft soll laut Gigazine Textfluss über Doppelseiten, Musterseiten, Absatz- und Zeichenformate, Textumfluss und den Knuth-Plass-Algorithmus für den Absatzsatz bieten. Ausgegeben werden sollen druck­fer­tige PDFs und PDF/A mit CMYK, Sonderfarben, Beschnitt und Schnittmarken. PrintCraft soll PDFs zusam­men­füh­ren, teilen und umsor­tie­ren und dabei Links, Formularfelder, Ebenen und Lesezeichen erhal­ten. Verschlüsselte PDFs von RC4 bis AES-256 soll es verar­bei­ten können. Das sind Entwicklungsziele und Angaben des Projekts. Belastbare Vergleiche mit InDesign oder Acrobat in Verlagsprozessen liefern die Quellen nicht.

Interessant für Automatisierung: Die Apps sollen von Anfang an für die Steuerung durch KI-Agenten ausge­legt sein, über Kommandozeile, JSON-Kanäle und MCP-Server. In DesignCraft sollen Menüpunkte, Werkzeuge, Panels und Dialoge so ansprech­bar sein. Wie weit das trägt, ist unge­prüft.

Zum Vergleich nennt t3n für das Adobe-Pro-Abo mit Photoshop, Premiere und Firefly rund 78 Euro pro Monat für Einzelpersonen. Für Verlage mit Mehrplatz- oder Unternehmenslizenzen sagt diese Zahl wenig aus.

Unsere Empfehlung

Planen Sie auf Basis dieser Meldung keine Ablösung von InDesign oder Acrobat. Sinnvoll ist ein beob­ach­ten­der Ansatz mit klaren Kriterien:

  • Eigene Testdateien: Prüfen Sie später, ob typi­sche Verlagslayouts per IDML sauber über­nom­men werden und ob die PDF-Ausgabe die Vorgaben Ihrer Druckerei erfüllt (Farbraum, Beschnitt, PDF/A).
  • Systemintegration: Angekündigt ist zwar eine Steuerung per Kommandozeile und MCP, aus den Quellen geht aber nicht hervor, ob und wie sich die Apps an Redaktionssysteme anbin­den lassen. Das ist für den Verlagsalltag oft entschei­den­der als einzelne Funktionen.
  • Betrieb und Verantwortung: Bei einem jungen Open-Source-Projekt sind Support, Release-Rhythmus und Sicherheitspflege offen. Klären Sie, wer im Haus das Risiko trägt.
  • Sandbox statt Produktion: Wer testen will, sollte das isoliert und mit nicht produk­ti­ven Daten tun.

Der Druck auf das Abo-Modell von Adobe bleibt dennoch ein Thema. Eine Bestandsaufnahme Ihrer Kreativ-Lizenzen und Abhängigkeiten lohnt unab­hän­gig von ArtCraft.

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